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Machtspielchen im Büro – Interview mit Bernd Wittschier auf heute.de

16.07.2014

Für viele Angestellte beginnt das Theater jeden Tag auf's Neue. Ihre Chefs verteilen Aufgaben im Kommandoton, sind nie für ein ruhiges Wort zugänglich oder mit Schuldzuweisungen schnell bei der Hand.

Die Journalistin Valerie Henschel hat unseren geschäftsführenden Gesellschafter Bernd Wittschier gefragt, warum kaum ein Chef ohne diese Machtspielchen auskommt. In dem Interview auf heute.de können Sie erfahren, wieso die Machtfalle immer wieder zuschnappt und Chefs trotzdem aus ihr herausfinden können:

Interview Thema MACHTSPIELCHEN IM BÜRO – INTERVIEW MIT BERND WITTSCHIER AUF HEUTE.DE, 16.07.2014

"Chefs merken meist nicht, wenn sie es übertreiben"

Kommandoton, Schuldzuweisungen, Belästigungen – selbst ehemals nette Kollegen werden plötzlich zu Tyrannen, wenn sie Chefs sind. Mediator Bernd Wittschier erklärt die Mechanismen von Machtspielchen im Büro und verrät, was gegen grenzwertige Chefs hilft.

heute.de: Woran liegt es, dass quasi kaum ein Chef ohne Machtspielchen auskommt?

Bernd Wittschier: Einige gute Chefs gibt es ja zum Glück doch. Warum aber so viele in eine Machtfalle hineingeraten, hängt meiner Meinung nach an der antiquierten Definition, die viele vom Chefsein haben: Das Image vom Chef, der keine Zeit hat und nur über das redet, was schlecht läuft. Und der hart durchgreifen und autoritär sein muss, damit Mitarbeiter ihm nicht auf der Nase rumtanzen. Viele, die neu in die Chefrolle geraten, versuchen dann, diese Definition zu erfüllen.

heute.de: Und deshalb werden ehemals nette Kollegen zum Tyrann, sobald sie Chef sind?

Wittschier: Ein Automatismus ist das nicht, aber es stimmt schon, dass das häufig der Fall ist. Vieles geschieht dabei unbewusst. Oft bauen Chefs nach außen eine Fassade auf, um die eigene Unsicherheit zu überspielen. Dabei merken sie häufig gar nicht, dass sie es völlig übertreiben. Jemand der neu Chef wird, will das gut machen und gibt häufig den starken Druck, den er sich selbst macht oder selbst von oben bekommt, an andere weiter.

heute.de: Heißt das, Machtspiele sind ein Zeichen von Überforderung?

Wittschier: Ja. Heutzutage hat sich der Druck in der Arbeitswelt enorm verschärft - und die Chefs müssen liefern. Sie denken, Dinge tun zu müssen, die eigentlich von keinem verlangt werden, zum Beispiel jeden Abend bis in die Puppen zu arbeiten. Ich nenne das "geheime Aufträge", bei denen es darum geht, sich selbst etwas zu beweisen.

heute.de: Und wie kann man ein Abrutschen in Machtspiele verhindern?

Wittschier: Da zählen zwei Dinge: Erstens sollte man konstruktiv sein und immer versuchen, hart in der Sache, aber wertschätzend gegenüber der Persönlichkeit des Angestellten zu bleiben. Zweitens sollte man versuchen, authentisch zu sein. Die Frage ist also: Welcher Cheftyp passt zu mir? Wenn ich ein eher strenger Typ bin, formuliere ich nüchterner ohne persönlich zu werden. Als netter, offener Typ verbinde ich eine sachliche Kritik mit netten Formulierungen zur Person.

heute.de: Und warum schaffen das Chefs so selten?

Wittschier: Leider wird zu häufig aneinander vorbei kommuniziert oder gar nicht geredet. Und Chefs sind meistens zu bequem, um sich selbst den Spiegel vorzuhalten. Und wenn dann niemand etwas sagt, schleift sich ein schlechtes Verhalten schnell ein.

heute.de: Was können denn Angestellte tun, um sich gegen Machtspiele von Chefs zu wehren?

Wittschier: Viele Chefs sind froh über Feedback. Wichtig bei Kritik ist das Wie: Kein Mensch hört gerne Vorwürfe. Es muss also so verpackt werden, dass sie annehmbar für den Chef ist. Erstmal fragen: Darf ich Feedback geben zu einer Sache? Dann muss der Chef einwilligen und das ist immer schon mal eine gute Ausgangssituation.

heute.de: Und wenn der Chef den Bogen wirklich überspannt?

Wittschier: Wenn echte Machtausnutzung vorliegt, etwa Anzüglichkeiten oder Drohungen, muss man mit aller Härte und Deutlichkeit eingreifen, auch wenn es gegen den Chef geht. In solchen Fällen sollte man auch unbedingt Kollegen beispringen, wenn man so etwas mitbekommt.

Das Interview führte Valerie Henschel

Wer mehr über das Thema lesen möchte: Bernd Wittschier hat zu diesem Thema das Buch „30 Minuten Machtspielchen im Büro“ veröffentlicht.

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